Auf diesem Bild ist Francis Seeck zu sehen.



Class matters. Klassismus und Bildungsarbeit

Eine bislang weitgehend übersehene Diskriminierungsform prägt unsere Gesellschaft grundlegend: Klassismus. Klassismus bezeichnet die Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit. Klassismus richtet sich gegen Menschen aus der Armuts- oder Arbeiter*innenklasse, zum Beispiel gegen einkommensarme, erwerbslose, wohnungslose Menschen oder gegen Arbeiter*innenkinder. 

Klassismus hat Auswirkungen auf die Lebenserwartung und begrenzt den Zugang zu Wohnraum, Bildungsabschlüssen, Gesundheitsversorgung, Macht, Teilhabe, Anerkennung und Geld. In dem Vortrag führt Francis Seeck in diese oft vergessene Diskriminierungsform ein und zeigt auf, wie Klassismus Bildungsarbeit prägt. Es geht auch um Utopien: Wie kann Bildungsarbeit sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen?

Donnerstag, 13. Januar 2022
19-20 Uhr mit anschließender Diskussion
Online über Zoom
Teilnahme kostenlos

Francis Seeck

Dr.*in Francis Seeck 1987 in Ostberlin geboren, ist Kulturanthropolog*in und Antidiskriminierungstrainer*in. Als Kind einer alleinerziehenden, erwerbslosen Mutter erlebte Seeck schon früh die Auswirkungen der Klassengesellschaft. Heute forscht und lehrt Seeck zu Klassismus und sozialer Gerechtigkeit, nach einer Vertretungsprofessur für Soziologie und Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Neubrandenburg nun als Post-Doc an der HU Berlin. 2020 gab Seeck den Sammelband »Solidarisch gegen Klassismus« mit Brigitte Theißl heraus. Im Frühjahr 2022 erscheint die Streitschrift »Zugang verwehrt – Keine Chance in der Klassengesellschaft: wie Klassismus soziale Ungleichheit fördert« bei Atrium.

Klassismus ist eine Diskriminierungsform bei der Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder gesellschaftlichen Position benachteiligt werden. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt schaut doch mal hier vorbei @fake.uzk

In diversitätsensibler Bildungsarbeit muss deswegen neben „gender“ und „Race“ auch immer „class“ mitgedacht werden.
Stichwort für die Notwendigkeit dafür ist die sogen Intersektionalität.

Sie bezeichnet die Überschneidung und Verschränkung sowie das gleichzeitige Existieren unterschiedlicher Diskriminierungsformen.

🎶Gemafreie Musik von frametraxx.de
📖Informationen über soziale Ungleichheiten in schulischer und universitärer Bildungsbiographie von @fake.uz

Wir haben das in einem kurzen Video einmal zusammengefasst. Der Inhalt des Videos ist weiter unten auch in Textform zu finden.

Kurz erklärt: Klassismus

Klassismus ist eine Form der Diskriminierung, die Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder gesellschaftlichen Position benachteiligt, d.h. sie enthält ihnen Ressourcen vor und behindert damit an gesellschaftlicher Teilhabe.

Diese Form der Diskriminierung wird in gesellschaftlichen bzw. politischen Debatten oder in der Anti-Diskriminierungsarbeit bisher kaum thematisiert. Ob als Vorurteil, innerhalb von Institutionen, in der Sprache oder durch Symbolik – Klassismus ist so vielfältig, wie die Gesellschaft selbst.

Diese sozialen Ungleichheiten lassen sich beispielsweise gut in schulischen und universitären Bildungsbiographien sehen. Während 74% der Kinder, die aus einem Akademiker*innen Haushalt stammen nach der Grundschule das Gymnasium besuchen, gehen lediglich 21% der Kinder, die aus Nicht-Akademiker*innen Haushalten stammen nach der Grundschule auf ein Gymnasium. Noch größer wird der Unterschied, wirft man einen Blick auf Promotionsabsolvent*innen. Immerhin 10% derjenigen, die aus Akademiker*innenhaushalten stammen und ein Gymnasium besucht haben, promovieren nach ihrem Studium. Das gilt jedoch nur für 1% der Kinder von Nicht-Akademiker*innen.

Die Gründe hierfür sind ebenso vielfältig, wie die Thematik allgemein. Welche Gründe das sind und wie in Bildungsveranstaltungen darauf geachtet werden kann? Dem soll sich unser Vortrag zum Thema „Class matters. Klassismus und Bildungsarbeit“ mit Dr*in Francis Seeck annehmen. Schaut vorbei!

Interessiert?

Dann schau doch mal bei unserem Podcast zum Thema vorbei!

Diskriminierung bedeutet immer, dass das “Andere” mit bestimmten negativen Stereotypen markiert wird, um diese bestimmte Personengruppen abzuwerten. Bei Klassismus geschieht das aufgrund der sozialen und ökonomischen Position in der Gesellschaft.

Aber was bedeutet das genau? Wie macht sich klassistisches Denken im Alltag bemerkbar? Und wie hängt Klassismus mit Bildung zusammen? Das haben wir Francis Seeck in unserer neuen Podcastfolge gefragt. Francis Seeck forscht unter anderem zu Klassismus und hat gemeinsam mit Brigitte Theißl einen Sammelband “Solidarisch gegen Klassismus” veröffentlicht.

Hier gelangst du zum Podcast EB23 Klassismus und Bildungsarbeit – im Gespräch mit Dr*in Francis Seeck